Auf den Spuren von Ömer Toprak

Jugendspieler des FV Ravensburg suchen im Leistungszentrum des SC Freiburg ihr Glück

Auf dem Weg in die Bundesliga: Sebastian Kerk (links) wagte den Sprung vom FV Ravensburg zum SC Freiburg, spielt dort im Regionalliga-Team und ist zudem U-19-Nationalspieler. (Foto: dpa/Meinrad Schön)

Von Christopher Meltzer

Freiburg Der SC Freiburg zählt zu den kleineren Vereinen in der Fußball-Bundesliga. Prunk, Glanz, Glamour – das ist nicht die Freiburger Welt. Bescheidenheit regiert im Breisgau. Ein Besuch im Nachwuchsleistungszentrum des Sportclubs bestätigt diesen Eindruck zunächst. Das Gelände grenzt direkt an den Schwarzwald, fernab vom Rummel der Stadt. Einzig eine kleine Straße durch den Wald führt zum Eingang. Was sich aber innerhalb dieses Bereichs abspielt, ist hochprofessionell und gehört zu dem Besten, was es im deutschen Nachwuchsfußball gibt.

„In vielen Sachen können wir uns nicht mit den großen Vereinen vergleichen“, sagt Sebastian Neuf, Organisatorischer Leiter der Freiburger Fußballschule. „Aber die Ausbildung bei uns ist genau so gut wie in den Top-Vereinen, etwa dem VfB Stuttgart oder Bayern München.“ Neuf hält noch einen weiteren Trumpf in der Hand, der begabten Fußballern den SC Freiburg schmackhaft machen soll. Er glaubt, dass Nachwuchsspielern bei gleicher Ausbildung und gleichem Talent der Sprung in den Freiburger Profikader leichter gelingt als bei anderen Bundesligisten. „Wir haben die Notwendigkeit, auf die von uns ausgebildeten Spieler zu setzen“, erklärt Neuf. Erstens, sehen Konzept und Finanzen in Freiburg keine teuren Transfers vor. Und zweitens, steckt der SC viel Geld in die Nachwuchsförderung (mehr als drei Millionen Euro im Jahr). Beim Sportclub gilt: Sobald ein junger Spieler auf dem gleichen fußballerischen Level ist wie ein älterer Profi, dann spielt er auch.

Diese jungen Talente zu finden, das erweist sich jedoch als die hohe Kunst. Und da kommen die Kooperationsvereine des SC Freiburg ins Spiel. „Sie nehmen eine zentrale Rolle ein, da Südbaden eher dünn besiedelt ist“, sagt Neuf. Einer von fünf Kooperationspartnern ist der FV Ravensburg. Das Paradebeispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen FC und FV liegt jedoch hinter der Zeit der offiziellen Partnerschaft zurück. 2005 wagte Ömer Toprak, geboren und aufgewachsen in Ravensburg, den Wechsel ins Freiburger Fußballinternat. Heute ist er 23 Jahre alt, präsentiert sich mit Bayer Leverkusen auf der internationalen Bühne des Fußballs und läuft für die türkische Nationalmannschaft auf. Erst im Jahr 2007 gingen Ravensburg und Freiburg einen Bund ein. Seitdem zieht es die Talentiertesten unter den FV-Spielern in die Nachwuchsakademie des Bundesligisten.

Doch wie sieht die Kooperation im Alltag aus? In Ravensburg betreut Denis Menga, Verbindungstrainer zwischen beiden Vereinen, einmal die Woche eine Fördergruppe mit begabten Nachwuchskickern. Ansonsten gehöre „viel Organisatorisches“ zu seinen Aufgaben, wie Menga erzählt. „Ich schaue mich aber auch in der Region nach Talenten um.“ Zu diesem Zweck hat er gemeinsam mit Manuel Tolkmitt, Trainer des TSV Grünkraut, den Talentpool der Region Ravensburg ins Leben gerufen.

Ein kleiner Sprung in der Zeit: Samstag, 3. November. In der Fußball-Regionalliga Süd trennen sich der SC Freiburg II und der 1. FC Kaiserslautern II 1:1. Aufseiten des SC beackert Rechtsverteidiger Dennis Russ 90 Minuten lang die Außenbahn. Wie schon Toprak kam Russ, der seine Karriere beim SV Reute begann, noch vor Kooperationszeiten von Ravensburg nach Freiburg. Der 20-Jährige spielt seine zweite Regionalliga-Saison, ist inzwischen Stammkraft. Glaubt er noch an eine Profilaufbahn? „Auf jeden Fall“, sagt Russ. Er trainiere öfters bei der Bundesligamannschaft mit. Nachdem er das Abitur in der Tasche hat, zählt erst einmal nur der Fußball. „Mal schauen, wo es noch hingeht“, so Russ.

Während Russ auf dem Rasen steht, beobachtet Sebastian Kerk die Partie verletzt von der Tribüne aus. Kerk ist 18 Jahre alt, wäre noch für die A-Jugend spielberechtigt, gehört aber schon dem Regionalliga-Team an. Über die Stationen Bad Wurzach und Ravensburg landete er 2007 beim SC. Der offensive Mittelfeldspieler gilt als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Für die U-19-Nationalmannschaft des DFB hat er zuletzt in drei Spielen zur EM-Qualifikation dreimal getroffen.

Auf die Zukunft in Freiburg angesprochen, antwortet er zurückhaltend. „Es ist schon noch ein Schritt. Ich will mich erst bei den Amateuren durchsetzen“, sagt Kerk, fügt aber noch hinzu: „Ich brenne auf die Bundesliga.“ Freiburgs Chefscout Klemens Hartenbach sieht Kerk jedenfalls auf einem guten Weg. „Fußballerisch bringt Sebastian alles mit“, so Hartenbach. „Er kommt jetzt in eine schwierige Phase. Tugenden wie Geduld und Beharrlichkeit sind nötig.“

Dennis Russ und Sebastian Kerk, beide bleiben bescheiden und trainieren hart. Aber eines Tages wollen sie ihn spüren, den Prunk, Glanz und Glamour der großen Fußballwelt.

Quelle: www.schwaebische.de (Erschienen: 14.11.2012 19:35)

  • Gelesen: 1599

Impressum   |   Datenschutz   |   Kontakt

Copyright © 2018 FV 1893 Ravensburg e.V.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok